Newsmeldung

06.09.2012
michael hildebrandt-atak
autor: 
kin.denachruf - Holger Moll
Holger Moll Am 30.06.12 ist unser Freund und Bergkamerad Holger Moll in der Brenta beim Vorstieg in der Fehrmannverschneidung auf die Giulia di Brenta an Herzversagen gestorben.

Holgers Leben war geprägt durchs Klettern, sowohl durch das Sportklettern als auch durch das alpine Klettern. Geboren am 23.9.1950 in Hamburg ist er mit 15 durch seinen Bruder zum Klettern gekommen.

Er hat über die Jahre die ganze historische Bandbreite des Kletterns mitgemacht. Von der technischen Kletterei in den 60ern und 70ern in den alten Bollerschuhen und abgesichert lediglich durch einen Brustgurt an windigen Rosthaken, bis hin zu Sportkletterrouten auf Kalymnos mit mehr Bohrhaken als Expressschlingen, die einem zur Verfügung stehen.

1965 trat er dem Alpenverein bei. Lange Jahre war er Vorsitzender der Klettergruppe der Sektion Niederelbe, auch VW-Bus-Truppe genannt. Die Wochenenden im Ith waren, typisch für einen norddeutschen Kletterer, eine ganz große Konstante in seinem Leben. Sein VW Bus auf dem Ith-Parkplatz war ein fester Bestandteil des gesellschaftlichen Lebens der norddeutschen Kletterszene. Jung und Alt traf sich in und an seinem Bus und es wurden Brücken zwischen Alpinisten und Sportkletterern gebaut.

Das Klettern hat sich über die Jahre geändert und das spiegelte sich auch in Holgers Leben wieder. Als Holger mit dem Klettern begann, wurde viel technisch geklettert, jeder auch noch so rostige Haken wurde eingehängt und dran gezogen (A0), in der Hoffnung, das es nicht zum Sturz kommt, denn einen solchen hätten wohl die wenigsten Haken gehalten. Holger war damals einer der wenigen, die sich noch auf der letzten Sprosse der Trittleiter aufrichten konnten, ohne rückwärts rauszufallen.

Dann kamen die ersten Bühler Bohrhaken und Hanwag-Kletterschuhe mit Stahleinlagen in der Sohle (um besser auf kleinen Leisten stehen zu können). Die Revolution waren die ersten Reibungskletterschuhe von EB, die Holger von irgendwoher mitgebracht hatte. Abgeseilt wurde im Dülfersitz, bis die ersten Achter in Norddeutschland auftauchen. Die Knickerbocker Hosen wichen den fantastischen Tights in neon-lila über den historischen Irrtum einer Adidas Sporthose.

Widerstand allerdings gab es bei Holger, als die geliebte Kletterskala nach oben geöffnet wurde. 4 Jahre lang weigerte er sich eine 7- auch nur auszuprobieren, obwohl er alle 6+ des Iths klettern konnte (Originalton: "Das ist nur was für Affen"). Bis ihm an einem Sommertag im Ith eine Onsight Begehung der kurzen Romanze (7-) gelang, nach vorhergehenden langen Diskussionen (Originalton am Ausstieg: "Ist höchstens 6+"). Trotzdem war damit der Weg nach oben frei. Letztes Jahr gelang Holger im Alter von 61 Jahren sein Rotpunkt Durchstieg der Via Ferrata (8), nachdem er 10 Jahre lang aus ihr herausgefallen war. Damit ging eine harte Zeit für alle zu Ende, da teilweise sogar der Samstags Abend Bier Konsum eingeschränkt wurde für dieses Projekt ("will morgen noch mal die Via Ferrata probieren").

Seine Ablehnung vom Toprope-Klettern ("Was machst du dann da in den Alpen, da brauchst du aber ein langes Seil") führte zu mancher interessanten Kommunikation. Auch in der Hamburger Kletterhalle war Holger schnell bekannt. Seine Meinung zu Sicherungstechnik und der Notwendigkeit, jede Expressschlinge selber einzuhängen, war besonders bei den Kursleitern und dem Aufsichtspersonal sehr beliebt. Da er sich weigerte etwas anderes als den einfachen Bulin Knoten zum Einbinden zu benutzten ("Der ist in 30 Jahren noch nie aufgegangen"), hat er fast einmal Hallenverbot bekommen. Auch das Auslassen von Expressschlingen ("Da musst du mal in Sachsen klettern gehen") führte öfters zu Diskussionen.

Neben dem Sportklettern war Holger immer auch Alpin aktiv, ja selbst im Himalaya hat er mehrere Gipfel (Parchhamo 6.273, Mera Peak Central 6.461) gemacht. 1994 hat er mit Freunden versucht den Pumori 7.061 m (Nepal) zu besteigen, was aber auf Grund der Wetterbedingungen nicht gelang.

Neben dem Klettern war Skifahren, Wildwasserfahren und expeditionsmäßiges Reisen für ihn sehr wichtig. Skifahren hat er in allen Spielarten betrieben, vom Abfahrtslauf über Langlauf bis zu Ski-Hochtouren.

Höhepunkte des Wildwasserfahrens waren eine Nordgriechenland-Expedition inklusive der Befahrung der Vikos Schlucht (1993), einer Türkei-Expedition mit mehreren Erstbefahrungen (1996) und einer Befahrung der Verdon- Schlucht 1993. Außerdem liebte er das expeditionsmäßige Paddeln in Alaska und Kanada, unter anderem eine 6 wöchige Befahrung des Yukon in Kanada bis zum Polarmeer (1986). Seitdem wissen wir alles über die Drohgebärden von Grizzlybären.

Fernreisen haben ihn ausgiebig nach Nepal und Tibet gebracht, nach Australien, Südamerika (Chile, Argentinien) und in die Sahara, inklusive einer legendären Durchquerung des Grand Erg Occidental in Algerien mit dem VW-Bus (1990). Aus allen diesen Reisen brachte er sehr spezielle Erinnerungen mit zurück, die uns so manchen Abend im Ith unterhalten haben.

Holger hat uns alle unser ganzes Kletterleben als zuverlässiger Freund und Kletterpartner begleitet. Wir haben einen treuen Freund verloren, aber er wird in unseren Herzen bleiben und seine Geschichten werden noch lange auf dem Ith erzählt werden, so dass er auf diese Weise auch weiterhin in unserer Mitte weilen wird.

Michael Hildebrandt-Atak
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